Klub Zwei

Presse / press:

Liebe Geschichte / Love History:

Radiointerview von Florian Danhel für Radio orange 94.0

2 Filmbesprechungen:

Der letzte Tag in Graz beginnt gut, Liebe Geschichte von Klub Zwei (Simone Bader und Jo Schmeiser). Ein streng formal aufgebauter Film, der die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit unter dezidiert weiblicher Sicht zum Thema hat, das heißt nicht nur: Was ist die Auswirkung eines Nazi-Vaters auf Töchter, sondern auch das lange nicht behandelte Thema der weiblichen Täter. Bildlich steht für jedes Jahrzehnt, von den 1950er Jahren bis in die 2000er Jahre, ein architektonisch markantes Gebäude in Wien. Diese grandios photographierten Motive sind der Raum in dem jeweils auch ein kurzer geschichtlicher Kommentartext einen geschichtlichen Überblick gibt, und der Ort an dem jeweils eine der Frauen beim Interview sitzt. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, das die Außen- und Innenwelt verbindet, und durch die Verbindung von Privatem mit Öffentlichem eine Allgemeingültigkeit des Gesagten entstehen läßt. (...) (Christine Dériaz, Das Ende naht, www.schnitt.de, 20.03.2010)

(...) Eine weitere Häufung weist die Diagonale in puncto jener dokumentarischen Arbeiten auf, die sich den Verwerfungen der österreichischen Geschichte widmen. Besonders bemerkenswert: Liebe Geschichte von Klub Zwei (Simone Bader, Jo Schmeiser), ein konzeptuell wie inhaltlich
hochkonzentrierter Film, mit dem das Duo seine Untersuchung des Nationalsozialismus weiterführt, diesmal mit Fokus auf die Nachkommen von Tätern und Täterinnen. Die Hervorhebung der Geschlechterdifferenz ist hier bedeutsam, denn gerade die Rolle von Frauen während der NS-Zeit blieb in der Forschung lange vernachlässigt. In Liebe Geschichte sprechen nun Töchter über den
hindernisreichen Prozess der Konfrontation mit der eigenen Familiengeschichte. Angeordnet werden diese Gespräche rund um markante Wiener Bauwerke der Nachkriegsgeschichte wie die Uno-City, die Kamerafrau Sophie Maintigneux nicht nur bestechend fotografiert hat, sondern die auch als Erinnerungspfeiler der offiziellen Politik und deren Auslassungen dienen. (Dominik Kamalzadeh, Verruchtes Texas, verdrängtes Wien, DER
STANDARD/Printausgabe, 20./21.03.2010, Seite 26)

Väter / Täter

DER STANDARD, 20.03.2007, Seite 40, Sonderthema/Beilage

Das Erbe von Opfern und Tätern

Dominik Kamalzadeh

Wien - Wie gehen Nachkommen von Opfern und Tätern heute mit dem Nationalsozialismus um? Wie bestimmend sind solche familiären Konstellationen
noch für die eigene Identität?

Fragen dieser Art stehen im Mittelpunkt zweier Arbeiten des Künstlerinnenduos Klub Zwei (Simone Bader, Jo Schmeiser). In Response Ability (Antworten geben können) werden zwei Interviews mit Jüdinnen zueinander in Dialog gesetzt, in denen es um Sichtweisen auf das gegenwärtige Wien und den Mangel an Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geht.
In den Einschätzungen treten Übereinstimmungen auf -– es wird aber auch deutlich, dass die jeweilige Distanz zur Stadt den Blick verändert: So sind Katherine Klinger und Ruth Sands von der Wiener Library London, beide Nachkommen von
jüdischen Emigranten, zu Besuch in Wien. Mehr als anderswo stellen sie hier ein
fehlendes Bewusstsein dafür fest, dass durch die Vertreibung und Deportation von Juden wesentliches Geistesleben verloren ging.

Auch Hannah Fröhlich von der Israelitischen Kultusgemeinde betrachtet Wien mit ambivalenten Gefühlen, die jedoch stärker aus der Lebenspraxis herrühren. Wie
Klinger und Sands lehnt sie das christliche Konzept der "Wiedergutmachung" ab und beharrt auf eine aktive – nicht abzuschließende – Erinnerungspolitik.
Nichtsdestotrotz pflegt sie zur selbst auferlegten Verantwortung, die
Nachhaltigkeit von Antisemitismus aufzuzeigen, einen mittlerweile entspannteren Zugang.

Liebe Geschichte, die jüngste Arbeit des Duos, beschäftigt sich mit der anderen
Seite: mit zwei Frauen, deren Väter Täter waren und die beschlossen habendiese Tatsache nicht länger zu verschweigen, sondern sich damit bewusst zu konfrontieren. Bemerkenswert ist hier der Fokus von Klub Zwei: Er ist weniger auf den Generationenkonflikt gerichtet als auf die psychischen Folgen - auf die Frage, wie stark die Körperlichkeit, Intimität und Sexualität der beiden Frauen durch die jeweilige familiäre Disposition geprägt wurden.

Diagonale: 21. 3., UCI Annenhof 7, 11.30; Wh.: 23. 3., Geidorf 1, 19.30

zurück/back