Klub Zwei

2008

Kunst + Politik, kuratiert von / curated by Hedwig Saxenhuber, MUSA - Museum auf Abruf Wien (04.07.2008 - 10.10.2008)

Foto: Martin Kitzler

(LCG8122 – Wien, 03.07.2008) Die Stadt Wien sammelt seit 1951 Kunst. Über die folgenden Jahrzehnte spiegelt die Sammlung das ästhetische und kulturpolitische Klima der Stadt und des offiziellen Wien wider, in dessen Geschichte sich mehr ablagert als der jeweilige Kunstgeschmack der Zeit. Der Blick, den die Ausstellung „Kunst + Politik“ auf die Sammlung der Stadt Wien richtet, zeichnet anhand von historischen und gegen-wärtigen Arbeiten nach, wie spannungsvoll die beiden Instanzen miteinander verbunden sein können. Gerade auch historisch beding-te Leerstellen und blinde Flecken belegen die Wechselwirkung von Kunst und Politik.

„Mit der Ausstellung „Kunst + Politik“ schärft das MUSA die Konzeption seiner Ausstel-lungslinie und baut seinen Platz in der Wiener Museumslandschaft als kritisches, zeitge-nössisches Museum weiter aus. Die Aus-stellung zeigt künstlerische Auseinander-setzungen mit historisch politischen Ereignis-sen und Prozessen. Die Gesamtsicht ergibt damit eine anregende, aber auch bestürzende Reise durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts“, so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Die Ausstellung ist in verschiedene Gruppen unterteilt, deren älteste sich mit den Gräueln während der nationalsozialistischen Zeit auseinandersetzt. Es finden sich auch vergessene Grafiken in der Ausstellung, wie die eines Karl Wiener, dessen Werk bis heute nahezu unbekannt geblieben ist. Formal wie stilistisch innovativ, zeigt sich sein intensives sozialkritisches Engagement in seiner Kunst, die vom faschistischen Regime natürlich nicht toleriert wurde und in der Folge seinen Freitod zu verantworten hatte.

Die Dokumentation „Things. Places. Years“ von Klub Zwei versammelt Interviews mit jüdischen Frauen, die als Kinder oder Jugendliche aus dem nationalsozialistischen Wien flüchten konnten. Im Film kommen auch ihre Töchter und Enkeltöchter zu Wort. Erfahrungen von Vertreibung, Emigration und Holocaust werden oft in der Vergangenheit verortet. „Things. Places. Years.“ bringt diese Vergangenheit in die Gegenwart und zeigt, wie sie das Leben von zwölf in London be-heimateten Frauen durch drei Generationen prägt.

Ein Exkurs zum Verständnis des Anderen und zu den offenen und verdeckten Formen von Rassismus ist in der Anordnung um Carry Hausers „Im Busch“ mit Arbeiten von Timo Huber, Lisl Ponger und Tim Sharp zu finden. Durch die Art, wie Sharp die auf einem Flohmarkt gefundenen, historischen „Dokumentar“-Aufnahmen zusammen schnitt, wird die Absurdität der Konstruktion von Exotik besonders deutlich. Die vermeintlich objektive Wiedergabe der Lebensumstände und Gewohnheiten der Tuareg entlarvt Sharp in seinen „Traveller’s Tales“ als überhebliche und dabei im Kern grundsätzlich naive Klischeevorstellungen.

Heimische und weltpolitische Problemstellun-gen wie prekäre Arbeitssituationen, Atom-gefahr, Hunger etc., finden ebenso Berück-sichtigung wie politische Konfliktsituationen und die Mechanismen der Macht im Allgemeinen. Überraschender Weise finden sich in der Sammlung - aus der Schenkung Viktor Matejkas - auch interessante Beispiele für die Agitationskunst Südamerikas.

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