Klub Zwei

Filmvorführungen

Filme / Videos:

Väter – Täter. NS und Shoah im Leben der Täter-Nachkommen. Einkanalfassung, Beta SP, 16:9, 27 Min., Farbe, 2007

Die Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoah prägt auch unsere Vorstellungen und Praxen von Liebe, von Beziehungen und von Sexualität. Klub Zwei sprechen mit Frauen, die zur Täterschaft ihrer Väter im Nationalsozialismus recherchiert haben und sich mit den Auswirkungen dieser Täterschaft auf die eigene Person auseinandersetzen. Welche Bilder von sich selbst und Anderen haben weibliche Nachkommen von TäterInnen und MitläuferInnen in Liebesbeziehungen und FreundInnenschaften? Welche Rolle spielen Hierarchien und Macht in ihren Beziehungskonstellationen? Werden Liebe, Beziehungen und Sexualität als politische (oder politisierbare) Territorien gedacht? (www.normallove.de)

DER STANDARD, 20.03.2007, Seite 40, Sonderthema/Beilage

Das Erbe von Opfern und Tätern

Dominik Kamalzadeh

Wien - Wie gehen Nachkommen von Opfern und Tätern heute mit dem Nationalsozialismus um? Wie bestimmend sind solche familiären Konstellationen
noch für die eigene Identität?

Fragen dieser Art stehen im Mittelpunkt zweier Arbeiten des Künstlerinnenduos Klub Zwei (Simone Bader, Jo Schmeiser). In Response Ability (Antworten geben können) werden zwei Interviews mit Jüdinnen zueinander in Dialog gesetzt, in denen es um Sichtweisen auf das gegenwärtige Wien und den Mangel an Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geht.
In den Einschätzungen treten Übereinstimmungen auf -– es wird aber auch deutlich, dass die jeweilige Distanz zur Stadt den Blick verändert: So sind Katherine Klinger und Ruth Sands von der Wiener Library London, beide Nachkommen von
jüdischen Emigranten, zu Besuch in Wien. Mehr als anderswo stellen sie hier ein
fehlendes Bewusstsein dafür fest, dass durch die Vertreibung und Deportation von Juden wesentliches Geistesleben verloren ging.

Auch Hannah Fröhlich von der Israelitischen Kultusgemeinde betrachtet Wien mit ambivalenten Gefühlen, die jedoch stärker aus der Lebenspraxis herrühren. Wie
Klinger und Sands lehnt sie das christliche Konzept der "Wiedergutmachung" ab und beharrt auf eine aktive – nicht abzuschließende – Erinnerungspolitik.
Nichtsdestotrotz pflegt sie zur selbst auferlegten Verantwortung, die
Nachhaltigkeit von Antisemitismus aufzuzeigen, einen mittlerweile entspannteren Zugang.

Liebe Geschichte, die jüngste Arbeit des Duos, beschäftigt sich mit der anderen
Seite: mit zwei Frauen, deren Väter Täter waren und die beschlossen habendiese Tatsache nicht länger zu verschweigen, sondern sich damit bewusst zu konfrontieren. Bemerkenswert ist hier der Fokus von Klub Zwei: Er ist weniger auf den Generationenkonflikt gerichtet als auf die psychischen Folgen - auf die Frage, wie stark die Körperlichkeit, Intimität und Sexualität der beiden Frauen durch die jeweilige familiäre Disposition geprägt wurden.

Diagonale: 21. 3., UCI Annenhof 7, 11.30; Wh.: 23. 3., Geidorf 1, 19.30

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